Testament verfassen

Testament verfassen

Bevor man stirbt gibt es vieles zu regeln. Auf der einen Seite um seine Erben zu entlasten, damit alles nach dem eigenen letzten Willen geschieht oder auch, um das Erbe nach eigenem Ermessen zu verteilen. Hier stellt sich die Frage, geht das einfach so? Kann ich mein Testament selbst verfassen oder brauche ich einen Notar? Selbstverständlich kann man sein Testament eigenhändig verfassen, aber es gibt hier doch so einiges zu beachten.

Als erstes muss der Erblasser bei der Erstellung des Testaments testierfähig sein. Das heißt, über achtzehn Jahre und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Ein handschriftliches Testament muss eigenhändig und persönlich verfasst worden sein. Sprich in der eigenen Handschrift. Ein auf dem Computer oder der Schreibmaschine verfasstes Testament ist nicht gültig. Der Grund hierfür ist, dass so nach dem Ableben noch anhand von Schriftproben nachgewiesen werden kann, dass dieses Testament tatsächlich durch den Erblasser verfasst wurde. Des Weiteren müssen Ort und Datum auf dem Testament vermerkt sein. Hilfreich ist es, ein Attest von einem Arzt beizufügen, um nachzuweisen, dass man im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Dies ist hilfreich, wenn Streitigkeiten zwischen den Erben anzunehmen sind.

Zwischen den Begriffen Vermächtnis und Erbe ist zu unterscheiden. Rechtlich gibt es hier eine klare Trennung. Ein Erbe erhält das Vermögen in dem ihm zustehenden Umfang. Ein Vermächtnisnehmer erhält einen bestimmten Vermögensgegenstand aus der Erbmasse. Bei einer unklaren Formulierung greift die gesetzliche Erbfolge.

Nach der gesetzlichen Erbfolge erben als erstes die Kinder. Hat der Verstorbene keine Kinder, erben die Eltern und Geschwister des Erblassers. Sind diese bereits verstorben, sind die Großeltern des Erblassers die Erben. So geht die Reihe immer weiter in die älteren Generationen und weiter entfernten Verwandten. Für Ehegatten gilt eine gesonderte Regelung. Neben den Kindern erbt der hinterbliebene Ehegatte ein Viertel. Sind keine Kinder vorhanden, sondern nur Erben der zweiten und weiteren Ordnungen, erbt der Ehegatte die Hälfte. Die im Hausstand befindlichen Gegenstände gehen im Regelfall an den Ehegatten.

Möchte der Erblasser einen Verwandten vollständig vom Erbe ausschließen, so muss dies im Testament ausdrücklich erwähnt sein. Allerdings lässt sich die gesetzliche Erbfolge nicht einfach so entkräften. Ein gesetzlicher Erbe kann nicht einfach vollständig enterbt werden. Auch wenn der Erblasser einen persönlichen Grund dafür hat, ist dieser noch nicht von Rechtswegen gültig. Eine vollständige Enterbung ist nur möglich, wenn der Erbe

  • dem Erblasser oder seinen Verwandten nach dem Leben trachtet,
  • sich gegenüber dem Erblasser oder seinen Verwandten eines Verbrechens schuldig gemacht hat,
  • Unterhaltspflichten gegenüber dem Erblasser böswillig verletzt,
  • wegen einer Straftat rechtskräftig zu einer Gefängnisstrafe verurteilt ist, oder sich aufgrund der Verurteilung in einer psychiatrischen Klinik bzw. in einer Entziehungsanstalt aufhält.

Liegt keiner der oben genannten Gründe vor, erhält der ausgeschlossene Erbe immer noch einen Pflichtteil. Dieser errechnet sich aus der gesetzlichen Erbfolge. Der Pflichtteil entspricht der Hälfte, von dem in der gesetzlichen Erbfolge festgesetzten Anteil. Zum Beispiel hinterlässt der Verstorbene zwei Kinder. Die Tochter soll alles erben und der Sohn geht laut Testament leer aus. Nach gesetzlicher Erbfolge würde der Nachlass zu gleichen Teilen an die Kinder gehen. Da der Sohn durch das Testament unrechtmäßig enterbt wurde, erhält die Tochter 75 % und der Sohn noch 25%. Die Gründe der Enterbung müssen angegeben sein und auch nachweisbar.

Noch einmal kurz zusammengefasst was man beachten sollte:

  • Testierfähigkeit vorhanden
  • eigenhändig, also handschriftlich verfassen
  • Ort und Datum
  • klare und detaillierte Formulierung
  • gesetzliche Erbfolge beachten
  • Enterbung gut prüfen

Wer ein komplexes Testament verfassen möchte mit vielen rechtlichen Klippen, sollte sich lieber immer Rat von einem Notar holen, damit der letzte Wille auch tatsächlich so durchgeführt werden kann.

Mehr Informationen finden sie hier auf den folgenden Seiten:

Ein Gedanke zu „Testament verfassen“

Kommentare sind geschlossen.