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Testament

Um ein Testament zu verfassen und damit seinen letzten Willen zu regeln, sollte man einiges berücksichtigen. In erster Linie, ob man als Erblasser überhaupt ein Testament benötigt, ob es bei den Erben zu Erbschaftsstreitigkeiten kommen wird, möchte ich bestimmte Personen enterben oder andere dafür einsetzten.

Das deutsche Erbrecht wird im BGB Buch 5 geregelt. Da sich nicht jeder erst durch das Bürgerliche Gesetzbuch kämpfen möchte, fassen wir hier die Hauptthemen zusammen. Selbstverständlich ersetzt dies keinen Notar.

 

Wer erbt was? Regelung der gesetzlichen Erbfolge

Die Erbfolge wird im Bürgerlichen Gesetzbuch klar definiert. Es werden Erben der ersten bis vierten Ordnung (BGB §1924-1928) aufgeführt. Nachfolgend wird diese Ordnung erläutert:

  • Als erstes erben die Kinder, auch wenn diese noch nicht geboren sind. Sie müssen jedoch vor dem Eintritt des Todes gezeugt sein.
  • In der zweiten Ordnung werden die Eltern und Geschwister des Verstorbenen aufgeführt.
  • Erben dritter Ordnung sind die Großeltern und deren Nachkommen.
  • Erben der vierten Ordnung sind die Urgroßeltern und deren Nachkommen.

Generell gilt, dass die Rangfolgen der Ordnungen eingehalten werden und nicht zum Beispiel die Eltern vor den Kindern erben.

Das Erbrecht der Ehegatten wird extra im § 1931 BGB geregelt. Neben den Erben der ersten Ordnung erbt ein Ehegatte immer 25%. Sollte nur noch Verwandte der zweiten Ordnung leben, erhält der Ehegatte 50%. Sollten keine Verwandten der ersten und zweiten Ordnung vorhanden sein, ist der überlebende Ehegatte Alleinerbe.

 

Enterbung

Der Verstorbene kann nur durch ein Testament Erben ausschließen oder andere Erben einsetzen. In der Regel kann man die gesetzlichen Erben nur schwer von einer kompletten Erbschaft ausschließen. Um einen Verwandten vollständig zu enterben, bedarf es starker Gründe. Zum Beispiel:

  • wenn der Enterbte dem Erblasser oder einem Verwandten nach dem Leben trachtet
  • wenn sich der Enterbte einem Verbrechen an dem Erblassers und/oder seinen Verwandten schuldig gemacht hat,
  • gegenüber dem Verstorbenen Unterhaltspflichten vorsätzlich verletzt,
  • wenn der Enterbte zu einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt ist,
  • oder wenn der Enterbte in einer psychiatrischen bzw. Entzugsklinik rechtskräftig eingewiesen wurde.

Diese Gründe müssen selbstverständlich bewiesen werden. Im Testament muss der Erblasser schriftlich erklären, warum ein Erbe von der Erbschaft ausgeschlossen wird.

 

Ausschlagung des Erbes

Ein Erbe kann die Erbschaft jederzeit ausschlagen. Dies gilt nicht für den Staat. Erbt dieser, muss der Fiskus das Erbe antreten.

Ein Erbe hat eine Frist von sechs Wochen, um das ihm zustehende Erbe abzulehnen. Diese Frist verlängert sich auf sechs Monate, wenn sich der Erbe zum Zeitpunkt der Kenntnisnahme im Ausland aufhält. Ebenfalls verlängert sich die Frist auf sechs Monate, wenn der Verstorbene seinen Wohnort im Ausland hat. Die Frist beginnt, wenn man zum Erbe berufen ist. Das heißt bei gesetzlicher Erbfolge, wenn die Nachfahren, Ehegatten etc. von dem Tod des Erblassers durch das zuständige Amt erfahren. Bei willkürlicher Erbfolge, durch Testament oder Erbvertrag, läuft die Frist in der Regel nach der Testamentseröffnung.

Hat der Erbe die Erbschaft angenommen, kann er diese nicht wieder ausschlagen. Lässt ein Erbe die oben genannten Fristen verstreichen, gilt das Erbe als angenommen.

Eine Ablehnung des Erbes muss beim Nachlassgericht erklärt werden. Die Ablehnung kann beim Nachlassgericht persönlich protokolliert werden oder durch einen Notar dort eingereicht werden.

 

Gültige Testamentsformen

Ein Testament kann grundsätzlich nur von testierfähigen Personen verfasst werden. Dies schließt Personen unter 18, geistesgestörte sowie geisteskranke und Personen mit einer Bewusstseinsstörung aus. Um Streitigkeiten der Erben über die Testierfähigkeit des Erblassers zu vermeiden, sollte dem Testament ein ärztliches Attest beigefügt werden. Hierdurch kann der Erblasser seinen Geisteszustand zum Zeitpunkt der Testamentserstellung bestätigen.

Eigenhändiges Testament

Eine Möglichkeit ist, sein Testament eigenhändig zu verfassen. Dies bedeutet auch tatsächlich handschriftlich. Hierdurch können die Erben jederzeit durch einen Vergleich der Handschriften bestätigen lassen, dass das Testament durch den Erblasser verfasst wurde. Zeit und Ort sollten hierbei angegeben werden, um Streitigkeiten zu der Testierfähigkeit aus dem Weg zu gehen. Die Form des Testaments spielt hierbei keine Rolle.

Öffentliches Testament

Das öffentliches Testament wird durch einen Notar erstellt, oder durch den Erblasser dem Notar überreicht. Hier ist es nicht relevant, ob das Testament handschriftlich verfasst wird. Das Testament kann dem Notar auch in einem verschlossenen Umschlag übergeben werden. Der Notar muss keine Kenntnis von dem Inhalt des Testaments haben. Jedoch sollte man sich beraten lassen, wenn man schon diesen Weg einschlägt. Durch die Übergabe des Testaments oder die Erstellung durch den Notar entstehen grundsätzlich Kosten für den Erblasser. Die Höhe dieser Kosten richtet sich nach dem Vermögen des Erblassers.

Gemeinsames Testament oder Berliner Testament

Das sogenannte Berliner Testament ist ein von den Ehe- oder Lebenspartnern gemeinsam erstelltes Testament. Dies dient zur Sicherung des Erbes für den hinterbliebenen Partner. Das gemeinsamt Testament sorgt dafür, dass der überlebende Partner nicht nur seinen Pflichtteil erbt, sondern im Regelfall Alleinerbe ist. Dies verhindert, dass der hinterbliebene Partner zum Beispiel die Anteile an der gemeinsamen Immobilie an die anderen Erben auszahlen muss.

Ein gemeinsames Testament kann grundsätzlich nur von beiden Partnern gemeinsamt verfasst und geändert werden. Auch kann dieses Testament nach dem Tod des einen Partners nicht mehr durch den Überlebenden geändert werden. Das gemeinsame Testament wird nur dann unwirksam, wenn die Ehe vor dem Tod des einen Partners geschieden wird. Dies ist eine der Testamentsformen, die es gibt.

 

Erbvertrag

Ein Erbvertrag wird grundsätzlich bei einem Notar und zwischen zwei Personen geschlossen. Ein Erbvertrag kann eine wechselseitige Verpflichtung zwischen den beiden Parteien oder eine einseitige Verpflichtung beinhalten. Der Erblasser kann diesen Vertrag im Nachhinein nicht mehr ändern.

 

Wer benötigt ein Testament

In der Regel gilt, wenn man mit der gesetzlichen Erbfolge zufrieden ist, wird kein Testament benötigt. Nur Personen, die von dieser Regelung abweichen wollen, benötigen ein Testament. Auch wer keine lebenden Verwandten hat sollte ein Testament verfassen, wenn nicht gewollt ist, dass dem Staat das Erbe zukommt. Aufgrund der umfassenden gesetzlichen Regelungen sollte man sich besser immer an einen Notar wenden, zumindest wenn man im Vorwege mit Erbschaftsstreitigkeiten rechnen kann.

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